Girl. Woman. Other. Ikonische Frauenporträts von Matisse bis Alex Katz

01.04.26, Kärnten

1. Mai bis 4. Oktober 2026
KUNSTHAUS GMÜND (Kärnten)

Mit der Sommerausstellung „Girl. Woman. Other. Ikonische Frauenporträts von Matisse bis Alex Katz“ feiert das Kunsthaus Gmünd die Frau und widmet sich damit einem der zentralen Themen der Kunstgeschichte. Gezeigt wird eine ebenso vielschichtige wie hochkarätige Auswahl an Druckgrafiken und ausgewählten Skulpturen, die Frauenbilder des 20. und 21. Jahrhunderts in all ihren Facetten sichtbar macht.


Öffnungszeiten: 1. Mai bis 4. Oktober 2026
Die Ausstellung ist täglich von 10.00 - 13.00 und 14.00 - 18.00 Uhr zu sehen.

Im Zentrum der Ausstellung stehen große Namen der Moderne und Gegenwart: Henri Matisse, Pablo Picasso, Louise Bourgeois, Alex Katz und Julian Opie bilden markante Fixpunkte. Matisse’ berühmte Tänzerinnen, in reduzierter Form und fließender Bewegung, stehen für Freiheit, Rhythmus und Lebensfreude. Picassos grafische Arbeiten kreisen um Muse und Geliebte – Bilder zwischen Bewunderung, Projektion und künstlerischer Aneignung. Louise Bourgeois ist
mit eindringlichen Radierungen zu Mutterfigur und Spinne vertreten, die von Schutz, Erinnerung und Verletzlichkeit erzählen. Mit Alex Katz und Julian Opie öffnet sich der Blick in die Gegenwart: Ihre Arbeiten zeigen Frauen als
selbstbewusste, zeitlose Figuren zwischen Alltäglichkeit, Ikonisierung undzeitgenössischer Bildsprache.

Der rote Faden der Ausstellung ist die Druckgrafik – ein Medium, das im Kunsthaus Gmünd seit jeher eine zentrale Rolle spielt. Als vermeintlich „leises“ Medium erlaubt sie einen besonders intimen Blick auf künstlerische Prozesse und zugleich eine weite Verbreitung von Bildern. Gerade in der Darstellung von Frauen erweist sich die Druckgrafik als äußerst präzises Instrument: Sie hält Posen, Gesten und Gesichtsausdrücke fest, erlaubt Überzeichnung und Reduktion, Nähe und Distanz zugleich.

Ergänzt werden die großen Klassiker durch zeitgenössische grafische Positionen, die den Blick erweitern und hinterfragen. Arbeiten von Sevda Chkoutova thematisieren weibliche Macht, Lust und Selbstbehauptung in pointierten, oft humorvollen Zeichnungen. Linda Berger nähert sich dem Selbstporträt auf introspektive Weise und stellt Fragen nach Identität und Körperwahrnehmung. Mit Maria Lassnig ist zudem eine der wichtigsten aus Kärnten stammenden Künstlerinnen vertreten. Auch Werner Berg wird mit ausgewählten Arbeiten in den Dialog eingebunden und erweitert den Blick auf regionale künstlerische Positionen.

Besonders spannend ist auch die geplante Integration von Arbeiten der Artists in Residence 2026 der Künstlerstadt Gmünd. Diese zeitgenössischen Positionen treten in einen direkten Austausch mit den historischen Werken und machen sichtbar, wie Themen, Motive und Fragestellungen über Generationen hinweg weitergesponnen werden können.

Die Ausstellung ist thematisch gegliedert – von Muse und Geliebter über Mutterfigur, Ikone und Tänzerin bis hin zur Kämpferin und Alltagsheldin. Diese Struktur lädt dazu ein, Querbezüge zwischen Künstler:innen, Epochen und Bildwelten zu entdecken und bekannte Werke neu zu lesen. Dabei entsteht keine lineare Kunstgeschichte, sondern ein offenes Geflecht aus Bildern, Blicken und Bedeutungen.

Auch der Titel der Ausstellung ist bewusst gewählt: „Girl. Woman. Other.“ nimmt Bezug auf den vielfach ausgezeichneten Roman der britischen Autorin Bernardine Evaristo, die dem Kunsthaus Gmünd freundlicherweise ihre Zustimmung zur Verwendung des Titels erteilt hat. Wie im literarischen Vorbild öffnet der Titel ein breites Bedeutungsfeld: Girl steht für Aufbruch und Jugend, Woman für Erfahrung und gesellschaftliche Rollen, Other für all jene Perspektiven jenseits normierter Zuschreibungen. Der Titel unterstreicht den Anspruch der Ausstellung, Weiblichkeit nicht einseitig zu zeigen, sondern in ihrer Vielstimmigkeit, Widersprüchlichkeit und Stärke.

„Girl. Woman. Other.“ versteht sich als Einladung zum genauen Hinsehen – zum Staunen, Vergleichen und Weiterdenken. Die Ausstellung zeigt, wie vielfältig, widersprüchlich und kraftvoll Frauenbilder in der Kunst sein können, und schlägt zugleich eine Brücke zwischen internationaler Kunstgeschichte und zeitgenössischer künstlerischer Praxis.

Begleitet wird die Ausstellung von einem umfangreichen Rahmen- und Vermittlungsprogramm mit Vortrags-, Film- und Literaturmatineen sowie Angeboten für Familien und Schulklassen. Ein kostenloses Kinderbegleitheft begeistert auch ein junges Publikum für die Ausstellung.

Mit dieser Sommerausstellung bestätigt das Kunsthaus Gmünd einmal mehr seinen Anspruch, große Kunst in die kleine Stadt zu bringen – konzentriert, qualitätsvoll und mit offenem Blick für neue Perspektiven.